Die wissenschaftliche Anwendung des „Goldlöckchenprinzips“ bezogen auf die Schuhdämpfung

Tags: Fuß, Fußfunktion, Wissenschaft

„Die beste Investition ist diejenige in die Werkzeuge des eigenen Handwerks.“ Benjamin Franklin

Sensorisches Feedback von den Fußsohlen ist sowohl für die Vermeidung von Verletzungen als auch für die Bewegungseffizienz wichtig (Robbins, Gouw und Hanna, 1989; Tung et al., 2014), aber menschliche Füße sind verletzlich und brauchen selbst Schutz. Im Gegensatz zu anderen laufenden Säugetieren entwickelte der Mensch weder Hufe noch dicke Polster, um Stichverletzungen oder thermische Verletzungen zu verhindern. Es überrascht daher nicht, dass der Gebrauch von Schuhen eine lange Geschichte hat, die etwa 10.000 Jahre zurückreicht (Pinhasi et al., 2010). In unserer Evolution als Ausdauerlaufspezialisten war Barfußlaufen selten eine Wahlstrategie. Sogar sogenannte „naturnahe“ Laufstämme wie die Tarahumara in Mexiko und die Jäger und Sammler in Afrika tragen von ihnen selbst entwickelte dicksohlige Sandalen, um ihre Füße vor Hitze und dem rauen, ursprünglichen Gelände zu schützen (Lieberman, 2014).

Zu wenig, zu viel und „genau richtig“

Die Einschränkung des sensorischen Feedbacks der Füße beeinträchtigt die Bewegungsmuster, wobei taube Bereiche, erhöhter Druck unter den sensorischen Bereichen und verstärkte Muskelaktivität der unteren Gliedmaßen vermieden werden (Nurse und Nigg, 2001). Umgekehrt löst eine zu starke sensorische Stimulation des Fußes Schmerzen aus, die auch das Bewegungsmuster beeinträchtigen (Levins et al., 1998). Eine durchdachte Studie unter Verwendung von verschiedenen Stärken von Dämpfungsschaumstoff, der auf den Lamellen eines Laufbands befestigt wurde, zeigte, dass die Effizienz beim Barfußlaufen ohne Dämpfung schlechter war, sich mit 10-mm-Dämpfungsschaumstoff verbesserte und sich mit 20-mm-Dämpfung wieder verschlechterte, und zwar entsprachen diese Werte in etwa dem Laufen ohne Dämpfung (Tung et al., 2014). Die Beeinträchtigung der Effizienz ohne und mit 20-mm-Dämpfung wurde der zusätzlichen Muskelarbeit zugeschrieben, die beim Auftreten ohne Dämpfung für das Abfedern erforderlich war und beim Auftreten mit zu viel Dämpfung für die Stabilisierung von Fuß und Unterschenkel. Für Laufökonomie und Bewegungseffizienz gibt es einen „Sweetspot“ für die Dämpfung und die daraus resultierende sensorische Rückmeldung, der der Erfahrung entspricht, die „Goldlöckchen“ im Märchen mit den Betten der Bären gemacht hat.

Es gibt nicht den „Sweetspot“

Die optimale Rückmeldung und Dämpfung, die für ein komfortables und effizientes Laufen erforderlich sind, variieren mit der Laufoberfläche, aber der Bedarf an Schutz vor thermischen Wunden und Stichwunden besteht immer. Daher ist die Verwendung von Schuhen mit einer dem Laufuntergrund angepassten Dämpfung eine sinnvolle Strategie mit einer langen Historie und einer soliden wissenschaftlichen Grundlage. Wenn Laufen Dein Handwerk ist, ist die Investition in geeignetes Werkzeug für diese Aufgabe ein kluger Schachzug.

Literaturhinweise:

  • Levins AD, Skinner HB & Caiozzo VJ. (1998). Adaptive gait responses to plantar heel pain. Journal of Rehabilitation Research and Development 35(3), 289-293.
  • Lieberman DE. (2014). Strike type variation among Tarahumara Indians in minimal sandals versus conventional running shoes. Journal of Sport and Health Science 3, 86-94.
  • Nurse MA & Nigg BM. (2001). The effects of changes in foot sensation on plantar pressure and muscle activity. Clinical Biomechanics 16, 719–727.
  • Pinhasi R., et al. (2010). First direct evidence of chalcolithic footwear from near eastern highlands. PLoS ONE. 5: e10984.
  • Robbins S, Gouw G, & Hanna A. (1989). Running-related injury prevention through innate impact-moderating behaviour. Medicine and Science in Sports and Exercise 21, 130–139.
  • Tung KD, Franz JR & Kram R. (2014). A test of the cost of cushioning hypothesis during unshod and shod running. Medicine and Science in Sports and Exercise 46(2), 324-329.

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