DER WISSENSCHAFTLICHE HINTERGRUND ZUM DYSFUNKTIONALEN FUSS UND DESSEN THERAPIEANSÄTZE TEIL 3 – STRUKUR DES LÄNGSGEWÖLBES/ FUSSTYP.

Tags: Fuß, Fußfunktion, Wissenschaft

„Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.“

 (Abraham Maslow)

In der Podiatrie ist es ein weitverbreiteter Ansatz, dysfunktionale Plattfüße (kollabiertes Längsgewölbe) und Hohlfüße (hohes, starres Längsgewölbe) als separate Probleme mit verschiedenen Ursachen anzusehen. Die gängige Behandlungsweise ist jedoch gleich: orthopädische Einlagen. Allerdings gibt es weiterhin keinen Nachweis für die langfristigen Vorteile von orthopädischen Einlagen. In der Realität werden dysfunktionale Füße mit kollabiertem oder hohem Längsgewölbe beide jeweils durch eine beeinträchtigte (schuhförmige) Vorderfußstruktur bedingt, und die Drehung des Vorderfußes (MacConaill, 1945) am Rückfuß und die daraus resultierende Instabilität. Mehr dazu in Teil 1 & Teil 2 dieser Serie. 

Hohes, starres Fußlängsgewölbe – „kompensierter“ schuhförmiger Fuß.

Falsch ausgerichtete Zehen eines schuhförmigen Vorderfußes bilden eine instabile Basis. Während der Belastungsphase des Vorderfußes im Gangzyklus muss die Instabilität durch muskuläre Aktion kompensiert werden. Wenn die Muskeln stark genug sind, um die erzeugte Belastung (125% – 250% des Körpergewichts beim Gehen bzw. Laufen) zu bewältigen, führen die Außenrotation der Hüfte und die Supination des Rückfußes am Vorderfuß zu einem hohen, starren Bogen und einem eingeschränkten Sprunggelenkbereich (Manoli und Graham, 2018). Durch die Inflexibilität von Fuß und Gelenk werden Stöße schlecht absorbiert und Ermüdungsbrüche sowie laterale Knöchelverstauchungen sind häufige Folgen (Williams, McClay und Hamill, 2001). Mit zunehmendem Alter und/oder Körpergewicht verlieren die Muskeln die Kraft, um die Instabilität des schuhförmigen Vorderfußes zu kompensieren.

Flaches, kollabiertes Fußlängsgewölbe – „dekompensierter“ schuhförmiger Fuß.

Falsch ausgerichtete Zehen eines schuhförmigen Vorderfußes bilden eine instabile Basis. Während der Belastungsphase des Vorderfußes im Gangzyklus muss die Instabilität durch muskuläre Aktion kompensiert werden. Wenn die Muskeln schwach sind und die erzeugte Belastung (125 %-250 % des Körpergewichts beim Gehen bzw. Laufen) nicht bewältigen können, kippen der Rückfuß und die gesamte untere kinetische Kette nach innen. Im Laufe der Zeit zerstören dieses Belastungsmuster und der mediale Kollaps das Weichteilgewebe des Fußes, was zu einem dysfunktionalen flachen/kollabierten Bogen und Knieverletzungen führt (Williams, McClay und Hamill, 2001).

Die Strukur des Längsgewölbes wird von der Drehung des Rückfußes am Vorderfuß bestimmt (MacConaill, 1945; Sarrafian, 1987), welche wiederum davon abhängt, wie gut die Muskulatur die Instabilität des Vorderfußes kompensieren kann. Instabilität, die durch eine kompromittierte Fußstruktur (schuhförmiger Vorderfuß) erzeugt wird, ist die eigentliche Ursache eines dysfunktionalen Fußes mit hohem, starrem Fußlängsgewölbe oder mit flachem, kollabiertem Gewölbe. Um das Problem zu beheben muss die funktionale Fußstruktur wiederhergestellt werden. Die Therapie ist einfach:

1.Tragen von fußförmigen (funktionalen) Schuhen, in denen die Zehen Platz haben, sich auszubreiten, und der Fuß sich weiten kann sowie

2.Belasten der Füße mit dem Körpergewicht, um eine Kraft zur Stimulierung der funktionalen Fußform wirken zu lassen.

Functional Footwear von Joe Nimble® basiert auf diesen Konzepten und dieser Wissenschaft.

Literaturhinweise.

MacConaill, MA. The postural mechanism of the human foot. Proceedings of the Royal Irish Academy, Section B: Biological, geological and chemical science. 1945; 50: 265-278.
Manoli, A und Graham, B. Clinical and new aspects of the subtle cavus foot: a review of an additional twelve year experience. Fuss and Sprunggelenk. 2018; 16: 3-29.
Sarrafian, SK. Functional characteristics of the foot and plantar aponeurosis under tibiotalar loading. Foot and Ankle. 1987; 8(1), 4-18. Williams, DS, McClay, IS, Hamill, J. Arch structure and injury patterns in runners. Clinical Biomechanics. 2001; 16: 314-347.

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