DAS „DREHPLATTENMODEL“ DER FUSSFUNKTION

Tags: Fuß, Fußfunktion, Wissenschaft

„Wenn eine Theorie nicht mit dem Experiment übereinstimmt, ist sie falsch … in dieser einfachen Aussage liegt der Schlüssel zur Wissenschaft.“ – Richard Feynman, Nobelpreisträger und Physiker.

Im vorhergehenden Beitrag wurde das „Dreibein“-Modell der Fußfunktion umrissen, das sich durch experimentelle Beobachtungen als falsch erwiesen hat, aber immer noch häufig angewendet wird. Und wir zeigten, wie die Anwendung dieses Modells funktionale Füße als dysfunktional einstuft und Bogenstützen vorschreibt, die die Dysfunktion bei unflexiblen Füßen mit hohem Längsgewölbe verschlimmern. Ein Modell der Fußfunktion, das mit experimentellen Daten übereinstimmt und zu korrekten Lösungen für häufige Fußprobleme führt, ist das „Drehplattenmodell“.

Das Drehplattenmodell wurde von MacConaill (1945) erstellt. In einer Reihe von Experimenten mit Fußabdrücken und Röntgenaufnahmen zeigte MacConaill, dass die Knochen und Bänder des Fußes eine verdrehte Platte bilden, die unter den Zehen und Mittelfußköpfen flach auf dem Boden aufliegt und sich durch den Mittelfuß dreht, um das Fersenbein vertikal zu halbieren. Das Eindrehen und Ausdrehen der Platte erklärt die beobachtete Rotation des Vorderfußes relativ zur Ferse und umgekehrt sowie die beobachtete Abflachung und Anhebung der medialen und lateralen Längsbogen während der Be- und Entlastung eines Gangzyklus.

Die verdrehte Platte erklärt alle Aspekte der normalen Fußfunktion, d. h. wie sich der Fuß als flexible Einheit an den Boden anpasst und Stöße in der frühen Stellung absorbiert, bevor er zu einem stabilen und starren Hebel für den Vortrieb in der späten Stellung wird, und stimmt mit den Fußabdrücken, dem Druck und anderen biomechanischen Daten von gesunden funktionalen Füßen überein. Die verdrehte Platte deckt auch Daten von dysfunktionalen Füßen ab, bei denen die Fußplatte übermäßig eingedreht (hochgewölbte, starre Fußstruktur) und übermäßig ausgedreht (abgesenkte Fußstruktur) ist.

Ein entscheidendes Element des Drehplattenmodells ist die horizontale Stabilität des Vorderfußes auf dem Boden vor der vollen Belastung des Fußes, sodass die Fußplatte an einem Ende verankert ist und die Pronation und anschließende Supination des Rückfußes relativ zum stabilen Vorderfuß dazu dienen kann, die Fußplatte auszudrehen und wieder  einzudrehen, wodurch die Fußplatte stoßdämpfende und dann starre Hebeleigenschaften erhält, wenn sich das Gewicht auf den Standfuß und dann vom Standfuß wegbewegt. Ohne ein stabiles Vorderfußsegment kann die Platte nicht funktionieren und der Fuß wird entweder in einer zu stark verdrehten Position arretiert, um die fehlende Stabilität zu schaffen (hochgewölbte, starre Fußstruktur), oder die Platte senkt sich ab und der gesamte Fuß proniert nach innen (abgesenktes Gewölbe).

Das Modell der verdrehten Platte besagt, dass ein funktionsfähiger Fuß einen stabilen Vorderfuß erfordert. Die Stabilität des Vorderfußes wird durch eine natürliche Spreizung der Zehen und Mittelfußknochen geschaffen. Das Schuhwerk muss dies ermöglichen. Mit anderen Worten, um einen funktionalen Fuß zu erhalten, müssen Sie funktionales Schuhwerk tragen, bei dem sich die Zehen frei ausbreiten und horizontal am Boden aufliegen können. Erst dann kann sich die Fußplatte ausdrehen und wieder so eindrehen, wie es die Natur vorgesehen hat, und so die Stabilität, Stoßdämpfung und Hebelwirkung eines funktionalen Fußes erlangen. 

Literaturhinweise

  • MacConaill, MA. (1945) The postural mechanism of the human foot. Proceedings of the Royal Irish Academy. Section B: Biological, Geological, and Chemical Science, 50, 265-278.

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